69. Dreikönigskonzert - ohne Wagner!
Seit Wochen proben die Musikantinnen und Musikanten der Musikkapelle Oberaudorf bereits fleißig für das bevorstehende Jahreskonzert.
Allerdings ist Etwas anders als die Jahre zuvor.
Einer fehlt bei den Proben.
Richard Wagner.
Kapellmeister Sebastian Baumann hat wieder ein buntes und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt – diesmal nur ohne den bekannten deutschen Komponisten. Aber dies tut dem breitgefächerten Repertoire keineswegs einen Abbruch.
So können sich die Zuhörer auf einen kurzweiligen Abend mit Stücken von G. F. Händel, Ennio Morricone, Julius Fucik und – natürlich, last but not least – Johannes Brahms freuen.
Pflichttermin für alle Freunde der Audorfer Musi!
Samstag, 05. Januar 2019, 20 Uhr
in der Schulturnhalle Oberaudorf am Oberfeldweg.
Der Eintritt ist wie immer frei(willig) - Spenden herzlich willkommen!
Dreikönigskonzert 2017
Große Gefühle prägten das 66. Dreikönigskonzert der Musikkapelle Oberaudorf in der Turnhalle: Von Liebe und Tod, von Aufstieg und Fall war zu hören.
„Echte“ Römer in voller Montur marschierten durch die Turnhalle und zur Beruhigung gab es zum Schluss traditionell das Wiegenlied von Brahms – ein Dreikönigskonzert im Rausch der Leidenschaft.
Oberaudorf – Mit „Des großen Kurfürsten Reitermarsch“ von Kuno Graf von Moltke startete die Musikkapelle in die Programmfolge. Jugendlicher Leichtsinn und quälende Schwermut klingen aus „La Bohème“, Giacomo Puccinis Oper, „die wohl zu den schönsten und wohl deshalb auch meistgespielten Opern gehört“, so Ansagerin Annelies Baumann, die durch den Abend führte. Das dargebotene Liebesduett „Liebe und Tod“ sorgte – gerade mit Blick auf das tragische Ende der Oper – für Herzschmerz. Für Linderung sorgte der sanfte Klang der Harfe, gespielt von Christine Stegmeier.
„Venus auf Erden“ oder ein „Liebestraum“ – so heißen zwei der zahlreichen Operetten des Theaterkapellmeisters und Musikverlegers Paul Linke, der 1866 in Berlin geboren wurde. Die Musikkapelle Oberaudorf brachte „Grigri“ zur Aufführung. Die Ouvertüre widmete die Musikkapelle dem ehemaligen Kapellmeister Bruno Braunhard, der heuer 100 Jahre alt geworden wäre. Sie erntete großen Applaus für die Uraufführung des Stücks.
Mit „Auf der Jagd“, der Schnellpolka von Johann Strauß, ging es rasant weiter. Dann verband Kapellmeister Sebastian Baumann kühn die Komposition „Nanga Parbat“ des Zillertales Michael Geisler mit dem „Projekt Rheingold“ von Richard Wagner. Von den höchsten Höhen stürzte der Zuhörer ab in die tiefsten Tiefen, auf den Grund des Rheins, „an den Ursprung der Welt“, wie in Wagners Ring behauptet wird.
Ähnlich theatralisch ging es nach der Pause, die vom Jugendorchester Oberaudorf unter Leitung von Sebastian Lang schwungvoll umrahmt wurde, weiter. Die „Parade der Wagenlenker“ aus „Ben Hur“ von Miklas Rozsa wurde optisch eindrucksvoll von einer Abordnung der „Hintergruaber Wongbauer“ in voller Montur bereichert. „Viele Wege führen nach Rom – manche sogar über Hintergrub“, meinte dazu Annelies Baumann.
Solistische Brillanz bewiesen Guido Sperl auf der Klarinette (übrigens ein Enkel des geehrten Bruno Braunhard) und Karl Sareiter auf der Posaune bei Benny Goldmanns „Memories of you“. Mit der Polka „Made in Germany“ von Michael Kuhn und dem „Gruß aus Wien“ von Robert Stolz beendete die Musikkapelle den offiziellen Teil des Programms, der vor vollem Haus noch einige Zugaben fand.
Die Schönste aller Zugaben leitet Kapellmeister Sebastian Baumann aber jedes Jahr selbst mit den Worten ein: „Zum Schluss Brahms“. Das Wiegenlied zum Abschluss des Dreikönigkonzerts hat schon Tradition: Englein erlauben, wie es in der zweiten Strophe heißt, im Traum eine Schau auf das Paradies – wenn das kein guter Ausblick auf das neue Jahr ist. (ge)
Dreikönigskonzert 2015
"Der Dirigent hat heuer kein Risiko gescheut", so lautete die erste Ansage von Annelies Baumann, die alljährlich mit Geschichten über und zu den ausgewählten Stücken gekonnt durch das traditionelle Dreikönigskonzert der Musikkapelle Oberaudorf führt. Auch heuer zeigte sich: Die Risikobereitschaft bescherte dem Publikum einen abwechslungsreichen Abend.
Oberaudorf - Dirigent Sebastian Baumann überzeugte gleich mit dem ersten Stück, der "Alpina Fanfare" von Franco Cesario, Jahrgang 1961, die mit einem Schlag auf einen riesigen Gong beginnt, doch auch viele leise Stellen hat, die die Oberaudorfer Musiker mit Bravour vortrugen. Dieses Stück würde man sich wirklich einmal in den Alpen wünschen, inmitten hoher Felswände, von denen es dann zurückhallt, doch diese Situation konnte man sich sogar in der zum Konzertsaal umgewandelten Oberaudorfer Turnhalle bestens vorstellen. Die Alpina Fanfare war sozusagen das Jubiläumsgeschenk für den Hornisten Andreas Heppel, der auf diese Weise für seine fünfzehnjährige Zugehörigkeit bei der Musikkapelle Oberaudorf geehrt wurde und sein Können mit einem Hornsolo unter Beweis stellen konnte.
Für das nächste Stück reiste Baumann zusammen mit seinen Musikern zweihundert Jahre zurück und bewies mit François-Joseph Gossecs "Symphonie in C", dass sie solche Zeitsprünge bestens meistern können und interpretierte das für großes Symphonieorchester komponierte Stück früh-mozartisch. Anschließend ging es wieder einhundert Jahre vor in das 19. Jahrhundert, wo mit dem Schlusssatz "Das große Tor von Kiew" aus Mussorgskys Klavierzyklus "Bilder einer Ausstellung" eine große musikalische Prozession dargeboten wurde. Das Stück hatte sich der Klarinettist Georg Heidinger anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums gewünscht. Besonders zu erwähnen ist das fulminant besetzte Schlagwerk, das diesen Kraftakt, wie ihn Annlies Baumann bezeichnete, besonders zur Geltung brachte. Danach mussten die Oberaudorfer Musiker ausnahmsweise keine Zeitreise machen, aber irgendwie von Kiew nach Wien kommen, um mit Johann Strauß in der Turnhalle Neujahrskonzertatmosphäre aufkommen zu lassen.
Behilflich waren ihnen dabei die Musikantenkinder, die in der Turnhalle Rosenduft versprühten, sodass man "Rosen aus dem Süden" nicht nur hören, sondern auch riechen konnte. Schade, dass nicht getanzt wurde, dachte so mancher Gast.
Zwei junge Musiker freuten sich über die Verleihung der Urkunden für ihr Musiker-Leistungsabzeichen: Jakob Schmid erhielt das Leistungsabzeichen in Silber auf der Trompete, spielte im Konzert jedoch Euphonium. Michael Lukasser (Flöte) nahm seine Urkunde für das Bronze-Leistungsabzeichen in Empfang, muss aber auf seinen Einsatz in der Musikkapelle noch etwas warten.
Nach der Pause blieben Sebastian Baumann und seine Musiker im 20. Jahrhundert und widmeten sich zunächst der Filmmusik. Mit der Musik aus dem Film "Die Brücke von Arnheim" von John Addinson ließen sie deutsche Geschichte aufleben. Der fließende Übergang zu "C'era una Volta in America" von Ennio Morricone gelang den vier Tubisten mit einem durchgängigen Ton perfekt. Besonders schön: Die Hintergrundstimme sang die Klarinettistin Annemarie Schwarzbeck und so sorgten große Spannung und hohe Präzision für Kino-Gänsehaut-Gefühl. In "Erinnerungen an ein Ballerlebnis" von Hans Bund mischten sich anschließend Jazz-Klänge mit Big-Band-Sound und die Oberaudorfer gaben wiederum ein Zeugnis davon, welch hohe Bandbreite sie in ihrem Repertoire haben.
Das nächste Stück war dem Posaunisten und Zweiten Dirigenten Josef Steinmüller gewidmet, der ebenfalls auf fünfzehn Jahre bei der Musikkapelle Oberaudorf zurückblickt. Natürlich hatte er sich ein Stück ausgesucht, in dem die Posaunen eine Hauptrolle spielen, was sie bei "Synkopiert" von Ernst Hoffmann taten. Gleich darauf folgte "Tijuana Taxi" von Herbert Alpert, wo sich traditionelle mexikanische Spielweise mit Jazz und Funk wunderbar mischten und Sebastian Baumann als Solist an der Hupe auftrat.
Mit "Aurora", der Morgenröte, von Giovanni Orsomando wollten die Oberaudorfer den Abend eigentlich beschließen, doch die begeisterten Zuhörer erklatschten sich noch zwei Zugaben. Großes Lob an alle Solisten, die ihre Solostellen in vielen Stücken mit großem Können und hoher Präzision vortrugen. Nach zwei traditionellen Märschen folgte, schließlich Johannes Brahms "Guten Abend, Gute Nacht", das bei keinem Dreikönigskonzert fehlen darf, diesmal sogar mit Sandmännchen-Sand!
Fotos gibt es hier