Dreikönigs-Konzert der Musikkapelle Oberaudorf
Oberaudorf, 5. Januar 2026 (Martina Poll / pom)
Fliegender Stabwechsel
Dreikönigskonzert der Musikkapelle Oberaudorf ist geprägt von Neuanfängen
Eigentlich fängt alles so an wie immer: Nach der schier endlosen Einmarsch-Parade der Musikerinnen und Musiker springt Kapellmeister Sebastian Baumann mit Elan auf die Bühne und eröffnet das Konzert mit dem Marsch der Finnländischen Reiterei „im Dreißgjährigen Krieg“ (Anonym), der mit einem fulminanten Paukenwirbel beginnt. Danach wie gewohnt Annelies Baumann, die das Stück erklärt. Dann geht alles ganz schnell: Sebastian Baumann übergibt den Dirigentenstab an den neuen Dirigenten Jakob Schmid, packt seine Tuba und reiht sich zu seinen Kollegen im tiefen Blech ein. Kein Trommelwirbel oder Feuerwerk, wie man es erwartet hätte bei einem so wichtigen Ereignis. Wenn der Titel Kapellmeister passt, dann für Sebastian Baumann, der nicht nur für seine meisterlichen Interpretationen von zeitgenössischer und klassischer Musik hervorstach, sondern auch für die Shows, die das Oberaudorfer Dreikönigskonzert jahrelang bereicherten. Er ließ Römer einmarschieren und inszenierte einen Feuerwehreinsatz, unvergessen die große böhmische Hochzeit, die 2025 in der Turnhalle gefeiert wurde. Aber einen Trommelwirbel für sich selbst, sowas mag er gar nicht.
Die Ansage übernimmt Maria Fürbeck, Tochter von Anneliese Baumann, die über 30 Jahre mit viel Herz und Charme als Sprecherin durch das Programm geführt hat. Und wie ihre berühmte Kollegin von der Tagesschau, Susanne Daubner, leistet sie sich zum Abschied noch einen kleinen liebenswerten Versprecher, drückt das Mikrophon ihrer Tochter Maria in die Hand und verschwindet lachend im Publikum.
Große Fußstapfen, in die Baumanns junger Nachfolger Jakob Schmid treten darf und sicher kann, denn der ist festival- und bühnenfest und stellt es sofort unter Beweis. Nichts geringeres als die „Wiener Philharmoniker Fanfare“ von Richard Strauß wird angestimmt, da herrscht gleich Neujahrskonzertstimmung in der Oberaudorfer Turnhalle, fast wie im Goldenen Saal in Wien. Die neue Ansagerin Maria Fürbeck tut es ihrer Mutter gleich, hat sogar eine ähnliche Stimme und kündigt den Pilgerchor aus der Oper Tannhäuser an. Darunter tun es die Oberaudorfer nicht, weil sie es auch können. Viel tiefes Blech, inklusive Sebastian Baumann zählt die Kapelle sechs Tubisten aus den eigenen Reihen, blitzsaubere Posaunen, die die Hauptmelodie übernehmen und ein junger Dirigent, der auf dem besten Weg ist, Kapellmeister zu werden. Danach wird’s ländlich, Schauplatz ist die Dorfschmiede, wo es bekannterweise immer lustig ist. Schon während Maria Fürbecks Ansage hört man den Amboss klingen, geschlagen von Max Kammerloher, der eigentlich Zimmerer ist, aber auch optisch einen einwandfreien lustigen Dorfschmied abgeben würde. Die alte Oberaudorfer Schmiede vom Weilnhammer stünde doch noch leer. Jakob Schmid gibt ein rasantes Tempo vor, bei dem sowohl der Schmied am Amboss als auch alle anderen Musikerinnen und Musiker souverän mithalten.
Mittlerweile ist es im Oberaudorfer Musik-Universum der Brauch, dem Jugendorchester die Bühne zu überlassen, das unter der Leitung von Andreas Smettan von Auftritt zu Auftritt besser wird. Ein Marsch, eine Polka im Bierzeltsound und ein modernes Stück haben sie im Gepäck und gleich bekommen manche von ihnen das Musikerabzeichen, verliehen von Kathrin Flory, der stellvertretenden Vorsitzenden des Musikbundes im Bezirk Inn-Chiemgau. Es gibt Silber für Alexander Witschak und Paul Jochriem und insgesamt sechsmal Bronze für die Jungmusikanten. Gleichzeitig werden zwei Musiker geehrt, die gefühlt erst letztes Jahr ihr Leistungsabzeichen absolviert haben: Wasti Baumann Junior (Tuba wie der Papa) und Alois Kammerloher (Tenorhorn) spielen bereits fünfzehn Jahre in der Musikkapelle Oberaudorf und bekommen dafür die Ehrennadel in Bronze. Sehr junge Jubilare! Zu verdanken ist das einem extrem erfolgreichen Ausbildungsmanagement, das die Musikkapellen gemeinsam unterstützen.
Welche Auszeichnungen gibt man einem Sebastian Baumann, der 52 Jahre lang das Oberaudorfer Musikleben maßgeblich geprägt hat, nicht nur in der Musikkapelle, sondern auch in vielen anderen Formationen sämtlicher Stilrichtungen von Jazz bis Schrammelmusik, sowohl als Tubist als auch als Kontrabassist. Da ist eine Ernennung zum Ehrenkapellmeister das Mindeste und gleichzeitig das Höchste, was Vorstand Christoph Höflinger im Namen seiner Kolleginnen und Kollegen vergeben kann. Und da sich so ein Musiker-Leben auf den ganzen Ort auswirkt, kann sich die Gemeinde nur anschließen und verleiht Sebastian Baumann die Ehrenurkunde und Ehrenmedaille für sein kulturelles Schaffen durch 1. Bürgermeister Dr. Matthias Bernhardt.
Da passt das Stück „Gedanken an Dich“ mit dem jungen Bariton-Solisten Klaus Reiter, einer von den Wenger-Stadl Buben am Hocheck. Sie lassen die Jungen hin, die Oberaudorfer, egal ob am Pult oder für Solo-Einsätze, nur so gelingt ein Musiker-Leben wie das von Sebastian Baumann, der war ja auch mal jung. Und ans Aufhören denkt er sowieso nicht, er bleibt als Tubist und zweiter Dirigent und wird das Oberaudorfer Musikleben weiterhin bereichern.
Insgesamt ein absolutes „Feeling Good“- Programm, menschlich und musikalisch, so der nächste Titel von Frank Bernaerts, bei dem Big-Band-Sound vom Feinsten hörbar wird. Da merkt man, das mögen sie ganz besonders, die Oberaudorfer Musikerinnen und Musiker, wie Filmmusik von Amphitryon bis Skyfall. Doch daheim sind sie auf ihren Almen und beschließen den Abend – offiziell – mit der Almtaler Polka von Patrik Prammer.
Auch wenn dieses Konzert keinen erzählerischen Bogen hatte, wie die böhmische Hochzeit und keinen dramatisch inszenierten Feuerwehreinsatz, schreibt es dennoch Geschichte: Die Weitergabe der Verantwortung an die nächste Generation. Ein Abend geprägt von Veränderung, so haben die Musikerinnen neue Schürzen zum Dirndlgwand, mit Blumenornamenten, wie eine Almwiese, eines bleibt gleich: Guten Abend, Gute Nacht, Volkspoesie aus dem 19. Jahrhundert, vertont von Johannes Brahms, wunderbar interpretiert von der Musikkapelle Oberaudorf unter der Leitung von Jakob Schmid!
Bilder und Text (Martina Poll)
Ehrungen:
Umringt von den jungen Jubilaren Wasti Baumann (oben links) und Alois Kammerloher (zweiter von rechts), Jugendwart Andreas Heppel (links) und Vorstand Christoph Höflinger (zweiter von links) freuen
sich die Jungmusiker über ihre Leistungsabzeichen in Bronze und Silber, überreicht von Kathrin Flory (rechts).